Suitbert Cechura: Israel-Krieg: Mit der Zerstörung der Hamas droht ganz Gaza die Vernichtung
Von webmaster • Okt. 21st, 2023 • Kategorie: AllgemeinSuitbert Cechura: Israel-Krieg: Mit der Zerstörung der Hamas droht ganz Gaza die Vernichtung
Was macht den Konflikt zwischen Hamas und Israel so unerbittlich? Man kann sich die jeweiligen Kriegsgründe erklären. Warum man sich aber keinen davon zu eigen machen sollte. Ein Essay.
Die Berichterstattung über den Krieg im Nahen Osten weist einen eindeutigen „moralischen Kompass“ (SZ 13.10.2023) auf und berichtet von den besonderen unvorstellbaren Gräueln des Krieges, den die Hamas begonnen hat.
Die Berichterstatter, die keine Steigerungsform für die Schrecken des Krieges auslassen, kennen offenbar Abstufungen in der Form des Grauens, die ein Krieg verursacht. Dabei hatte die Berichterstattung über den Ukraine-Krieg bereits Formen angenommen, so dass man meinen konnte, eine Steigerung sei nicht mehr möglich.
Mit den Superlativen möchten sie offenbar auf die besondere Verdorbenheit des Angreifers hinweisen, obgleich noch jeder Krieg Grausamkeiten auf jeder Seite aufweist. Mit der Kennzeichnung der Hamas als Terroristen wird auch gleich deutlich gemacht: Objektive und sachliche Berichterstattung ist nicht mehr gefragt. Der britische Sender BBC gilt deshalb nicht mehr als Vorbild:
„Die BBC allerdings pocht auf ihre journalistischen Richtlinien – und ihre redaktionelle Unabhängigkeit.
„Unsere langjährige Position, auch während früherer Konflikte zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen, ist, dass wir den Begriff ‚Terrorist‘ nicht ohne Namensnennung verwenden, in Übereinstimmung mit den redaktionellen Richtlinien der BBC.“
In diesen Richtlinien […] heißt es, das Wort „Terrorist“ könne eher ein Hindernis als eine Hilfe zum Verständnis sein […]
„Wir sollten unserem Publikum die volle Tragweite der Tat vermitteln, indem wir beschreiben, was passiert ist… Unsere Aufgabe ist es, objektiv zu bleiben und so zu berichten, dass unsere Zuhörer selbst beurteilen können, wer wem was antut.“ SZ 16.10.2023
Das hat dem Sender nicht nur in Großbritannien Kritik eingebracht. Denn hierzulande halten die meisten Medien nichts mehr von objektiver Berichterstattung und sind mit ihrer Wortwahl immer gleich bemüht, ihre Parteilichkeit auszudrücken und zu zeigen, welche Seite mit Recht Gewalt ausüben darf und welche nicht.
Dabei unterstellt die Kennzeichnung Krieg eigentlich eine Auseinandersetzung zwischen Staaten, was in diesem Falle gar nicht zutrifft. Schließlich verfügt die Hamas gar nicht über eine Staatsmacht mit einer entsprechenden Armee und Gewaltapparat. Auch die Distanzierung von der Hamas, wegen der Gräuel, oder die Parteinahme für die Palästinenser als Opfer israelischer Gewalt will von den Motiven der kriegsführenden Parteien nichts wissen und urteilt moralisch.
Mit der Betrachtung durch die moralische Brille verschwinden einige der Besonderheiten, die dieser Krieg aufweist und die auf den ersten Blick eigentlich mehr Fragen aufwerfen, als dass diese durch die Moral beantwortet werden können. Schließlich kennt sie nur den Unterschied zwischen Gut und Böse.
Der Angriff der Hamas auf Israel
Israels Sicherheitsinteresse
Die Bedrohung oder das Ende der Zwei-Staaten-Regelung
Das Resultat
Die Äußerungen von Ministerpräsident Netanjahu und führender Militärs lassen an den Zielen Israels keinen Zweifel aufkommen. Sie möchten die endgültige Vernichtung der Hamas und damit des palästinensischen Widerstandes mit allen Mitteln. Dazu wollen sie den gesamten Gazastreifen militärisch durchkämmen, die Zivilbevölkerung soll sich in Sicherheit bringen, obgleich diese den Gazastreifen nicht verlassen kann und auch bislang die Gebiete bombardiert wurden, die als Ausweichgebiete empfohlen wurden.
Für die Flucht wurden zeitliche Vorgaben für die Evakuierung Gaza-Stadt gemacht, die von vielen Seiten als unrealistisch für eine Evakuierung von Millionen von Menschen bezeichnet wurden. Zudem ist der Begriff Evakuierung irreführend, handelt es sich doch nicht um eine organisierte Rettung von Unbeteiligten, sondern als Aufforderung an die Zivilisten sich in Sicherheit zu bringen, auch wenn alle Wege zerbombt in Trümmern liegen. Auch so kann zum Ausdruck gebracht werden, dass das Schicksal der Zivilisten dem israelischen Militär relativ gleichgültig ist.
Zudem zeigen die flächendeckenden Bombardements des weltweit am dichtesten besiedelten Gebietes, was es mit der Verhältnismäßigkeit von kriegerischen Handlungen auf sich hat. Ziel der Zerstörung ist nie die Bevölkerung, aber für den militärischen Zweck sind eben immer Leichen von Zivilisten in Kauf zu nehmen.
Auch wenn dies einem Völkermord gleichkommt. Dass die vielen Geiseln ihnen irgendeinen Schutz bieten würden – auch darin haben sich die Kämpfer der Hamas oder anderer muslimischer Milizen getäuscht – ist irgendeine Rücksichtnahme auf deren Leben durch Israel nicht erkennbar.
Kritik an den Handlungen Israels ist im Gegensatz zur Verurteilung der Aktivitäten der Hamas vonseiten der Werte geleiteten westlichen Staaten und den dort beheimateten Medien nicht zu vernehmen. Die humanitäre Anteilnahme verteilt sich immer sehr parteilich. Kritische Aktionen oder Demonstrationen werden mit gerichtlichen oder polizeilichen Mitteln unterdrückt.
https://www.telepolis.de/features/Israel-Krieg-Mit-der-Zerstoerung-der-Hamas-droht-ganz-Gaza-die-Vernichtung-9339853.html?seite=all
„Mit der Betrachtung durch die moralische Brille verschwinden einige der Besonderheiten, die dieser Krieg aufweist…“
Die „moralische Brille“ hat in Gestalt des Totschlägers Anti-Semitismus außerordentliche Hochkon-
jjunktur, an dem sich eine regelrechte öffentliche Säuberungskampagne mit strafrechtlicher Verfolgung
von allem drauf setzt, was sich nicht umstandslos das hiesige staatliche Credo zu eigen macht, dass man
bedingungslos zu der kriegerischen Durchsetzung Israels gegen seine Feinde steht.
Die widerliche und absurde Logik des Totschlägers Anti-Semitismus sei hier angedeutet:
Es gehört zum festen Bestandteil hiesiger nationaler Moral, dass sich wegen dem Holocaust im
3. Reich so gut wie jede Kritik an dem Judentum und dem israelischen Staat verbieten würde.
Es zeugt nicht gerade von einer sachlichen Herangehensweise, überall, wo Kritisches zum
Judentum vermeldet wird, da sei bereits der Übergang zu Übergriffigkeit aufs Judentum unterwegs.
Es wird mit dieser moralgetränkten Stellung ein regelrechtes Denkverbot bzgl. dessen erlassen,
warum wer sich inwiefern judenkritisch äußert. Als allererstes könnte einem auffallen, warum man Menschen jüdischen Glaubens und erst recht einem jüdischen Staat ungeprüft vor dem
Hintergrund des faschistischen Judenvernichtungsprogramms unter Hitler einen Freibrief ausstellen
soll, egal was ein Jude denkt und tut und erst recht, was ein israelischer Staat zu seiner Räson
erklärt. Das moralische Vorurteilswesen will da keine Unterscheidung kennen: jedes Wort gegen
den Staat Israel wird sogleich für Judenfeindlichkeit genommen, umgekehrt stünde Judenkritisches sogleich für einen Angriff auf das unzweifelhaft daherkommende Existenzrecht Israels. Solche
Sichtweise hat gar nicht erst vor, sich einmal genauer den Inhalt dessen vorzunehmen, was mit
dem Totschläger Anti-Semitismus sogleich erschlagen wird. So macht sich die Beschimpfung von
Juden einen dezidiert nationalistischen Vers auf Juden als vermeintliche Schädiger von was auch
iimmer, welcher wächst und gedeiht auf der staatsbürgerlichen Sichtung von allem und jeden,
iwie man es auch von der allgemeinen Ausländerfeindlichkeit her kennt (die sich darin zusammenfasst, dass Ausländer ein Verstoß gegen eingebildete nationale Bevorrechtigung seien, die deshalb aus
der Nation auszuschließen seien) – wo die politisch Verantwortlichen ausschließlich den
Gesichtspunkt der strafrechtlichen Behandlung von Judenkritischem anstelle dessen Widerlegung
raushängen lassen. – Dass welche aus der arabischen Liga sich den Tod Israels wünschen, speist
sich gar nicht aus einer korrekten Kritik dessen, was dieser Staat als sein Programm verfolgt via
territorialer Ausdehnung und Besatzung, sondern aus einem konkurrierenden arabischen oder palästinensischen Nationalismus: mit dem Hinweis, dass der Staat Israel mit der Vertreibung
der Araber, einem Besatzungsregime über von diesen bewohnten Gebiete, der Einsperrung
von Millionen unter elendesten Bedingungen im Gaza verbunden ist, daraus drechseln arabische
Nationalisten ein von Israel vorenthaltenes Recht auf eine ganz eigene Obrigkeit über die
Palästinenser; nur von daher erklärt sich die Unversöhnlichkeit im Verhältnis Parteigänger der Palästinenser und Israel; die unbedingte Parteinahme für Israel in Gestalt eines
„Selbstverteidigungsrechts“ ist kein senkrechter Schluss aus einer unbefangenen Bestands-
aufnahme dessen, welche Interessen warum so militant und kriegerisch gegeneinander
aufgestellt sind wie im Falle des Verhältnisses Palästinenser-Israel, sondern entspringt einer
politisierten Vorabentscheidung für ein unbedingtes Bestandsrecht des Staates der Juden, der
von seiner Entstehung und Fortbestand bis heute auf Expansionismus gegen die arabischen
Massen beruht: untermauert durch den nicht weniger unsachlichen
Zusammenschluss von Holocaust im 3. Reich damit, dass ausgerechnet einem Gewaltmonopol,
unter dem sich alle Juden der Welt versammeln sollen, ganz grundsätzlich der Segen zu erteilen
sei. Dies nimmt dann solch dumm-dreisten Formen an, angesichts der Brutalität des Vorgehens
der Hamas am 7. Okt. 2023 dieses sogleich auf eine Stufe zu stellen mit der Judenausrottung
Hitlers: mit solchen Vergleichen wird alles eingeebnet, was damals und heute in Sachen
Judenanfeindung vorgebracht wurde bzw. wird: damals galten die Juden als innere Zerstörer
deutscher Nation, was dann diese brutalen Konsequenzen hatte, einen zum Feind im Innern
Erklärten wie einen auswärtigen Feind kriegsähnlich zu begegnen; eine Hamas heute behandelt
Juden wie als Vertreter einer ungerechten israelischen Gewalt, die gegen die Palästinenser
ausgeübt würde, der entsprechend blutig zu begegnen sei.
Die unbedingte Freisprechung Israels nimmt solche Absurdität an, ausrechnet einem UNO-
Generalsekretär, der in einer Rede am 24.10.23 bei aller Befürwortung des Verteidigungsrechts
Israels dazu aufruft, irgendwie auch der palästinensischen Sache Gerechtigkeit widerfahren zu
lassen, deren Ignorierung und Unterdrückung dem „Nahost-Konflikt“ zugrundeliege, die
Relativierung der Hamas-Schlächtereien vorzuhalten. Ein gezielte Instrumentalisierung der
letzteren für das über jede Kritik erhabene Gewaltprogramm Israels darf man dies nicht nennen.